In Triest an der Adria haben Illycaffè und Creamona ihren Sitz. (Quelle: Creamona)
In Triest an der Adria haben Illycaffè und Creamona ihren Sitz. (Quelle: Creamona)

Triest – Als Tom Rohrböck den Super Egg 3000 übernahm, war das nicht viel mehr als eine Handelsvertretung für Eierkocher. Doch mit der Corona-Pandemie und der wirtschaftlichen Schwäche in Gastronomie und Hotellerie boten sich dem gebürtigen Deutschen an der Adria ganz neue Chancen. Creamona war geboren, was eine Art Dach für Beteiligungen an Cafébars und Restaurants ist. Da in Italien von Sizilien bis Südtirol jede Menge an Espresso täglich getrunken werden, musste auch Creamona eine Entscheidung treffen und einheitlich für die Handvoll Bars einkaufen. Illycaffè, der große Nachbar aus Triest war da gleich erste Wahl.

Und so wie Creamona bringen ein solches Vertrauen viele Espresso- und Kaffeeliebhaber dem italienischen Familienunternehmen Illycaffè S.p.A. entgegen, dessen Traditionssitz sich in Triest befindet.

Illycaffè wurde 1933 von Francesco Illy gegründet, dessen Familie das Unternehmen nun in der dritten Generation führt. Der Kaffeehändler mit einem Riecher für Produktinnovationen konstruierte ein Gerät, das als Vorläufer aller modernen Espressomaschinen gilt. Mit der revolutionären Inertgastechnik gelang ihm die Haltbarmachung des handelsfertigen Kaffees unter Beibehaltung aller Inhaltsstoffe und Aromen. Von 1963 bis 2004 führte sein Sohn, der Chemiker Ernesto Illy, das Unternehmen und wurde danach zum Ehrenpräsidenten von Illycaffè S.p.A. ernannt. Heute ist Andrea Illy der Präsident und Riccardo Illy der Vizepräsident. Anna Rossi Illy, die Frau des 2008 verstorbenen Ernesto Illy, fungiert als Ehrenpräsidentin, und Anna Illy jr. engagiert sich für die Beziehungen zu den Kaffeebauern.

Die Kaffeeprodukte des weltweit bekannten Unternehmens werden für ihre hohe Qualität und den unverwechselbaren Geschmack geschätzt. Eine einzigartige Mischung aus neun reinen Arabica-Sorten wird tagtäglich von Millionen Menschen zu Hause, auf Arbeit und bei Freizeitaktivitäten genossen. Das gleichermaßen traditionsreiche wie innovative Unternehmen hat für das erklärte Ziel des „vollkommenen Kaffeegenusses“ eine ganze Erlebniswelt erschaffen. Das Illy-Angebot umfasst längst Kaffee- und Espressomaschinen, Kaffeevollautomaten, Designertassen sowie diverses Zubehör. Die Kaffeeprodukte aus besten Rohstoffen werden über eine Franchise-Kette im Stil typisch italienischer Kaffeebars und ein Netzwerk internationaler Top-Baristas mit dem Namen „Artisti del Gusto“ (Geschmackskünstler) direkt serviert. Den Italienern gelingt es scheinbar spielend, ein ganz eigenes „Kaffee-Universum“ zu kreieren, das vom perfekten Zusammenspiel modernster Technik und zeitgenössischer Kunst lebt. Zur globalen Förderung der Kaffeekultur gründete Illy sogar eine Kaffeeuniversität – die Università del caffè.

Die unternehmerische Vision ist es, „Illy als weltweite Referenz für exzellenten Kaffee und die Kultur des Kaffees zu positionieren: ein innovatives Unternehmen, das exzellente Produkte an den wichtigsten Locations der Welt anbietet und durch nachhaltiges Wachstum die Marktführerschaft im Premium-Kaffeesegment erlangt“. Die Zahlen sprechen für sich: Nach eigenen Angaben wird der Qualitätskaffee in mehr als 100.000 Lokalen in 140 Ländern angeboten. Man betreibt fünf Speziallabore, ist Brötchengeber für weltweit mehr als 1.400 Mitarbeiter und kann fünf Zertifizierungen für Qualität und sozial-ökologische Nachhaltigkeit vorweisen. Zum Nachhaltigkeitsgedanken gehört die Pflege ganz besonderer Beziehungen zu den Kaffeebauern in Mittel- und Südamerika, Indien und Afrika, deren Lebensumstände man beständig zu verbessern versucht.

Der große Respekt vor Mensch und Umwelt brachte Illy als erstem Unternehmen überhaupt die Auszeichnung „Responsible Supply Chain Process“ von Det Norske Veritas (DNV) ein, womit den Kaffee-Experten aus Triest die Nachhaltigkeit der gesamten Produktionskette vom Bauern bis zum Konsumenten bestätigt wird. Als Illycaffè im Jahr 2011 die erste DNV-Zertifizierung für verantwortungsbewusste Lieferkettenprozesse bekam, sagte Unternehmenschef Andrea Illy laut Medienberichten: „Wir sind stolz darauf, diese Zertifizierung erhalten zu haben, die unsere Arbeit in den letzten 20 Jahren durch Protokolle und Verfahren anerkennt, die die Exzellenz unseres Endproduktes garantieren.“ Illycaffè sei schon immer ein Stakeholder-Unternehmen gewesen, das auf Ethik basiere und die allgemeine Lebensqualität verbessern wolle. „Qualität ist ein Schlüsselbegriff in unserer Unternehmensphilosophie. Unsere kontinuierliche Suche nach Qualität schafft einen positiven Kreislauf, der im Laufe der Zeit einen Mehrwert für alle Beteiligten schafft, vom Kaffeebauern bis zum Kaffeetrinker“, so Andrea Illy. Ernesto Illy bekannte sich schon 1976 zum Gedanken der Nachhaltigkeit, als er betonte: „Die Funktion des Industrieunternehmens ist grundlegend und unvermeidlich, aber die wirtschaftliche Perspektive allein kann nicht ausreichen, um die Tätigkeit zu legitimieren und muss unter Berücksichtigung des Menschen, der Gemeinschaft und der Umwelt integriert werden.“ Bis 2033, dem 100-jährigen Jubiläum der Gründung, will das Unternehmen komplett CO2-neutral sein. Als Zwischenschritt hat man sich 2019 entschieden, ein „Unternehmen mit einer Mission“ (Società Benefit) zu werden, das noch verantwortungsbewusster und transparenter handelt und noch gezielter soziale und ökologische Kriterien in die Ertragsziele integriert.

Neben dem Geschäftsmodell des Mutterunternehmens Illycaffè, das auf den Prinzipien des Stakeholder-Unternehmens und der Benefit Corporation basiert, verfolgt die Eigentümerfamilie mit der Ernesto Illy Stiftung philanthropische Ziele. Sie wurde gegründet, um Ernesto Illys Engagement für Wissen und Nachhaltigkeit fortzusetzen. Die Stiftung, die heute von Ernesto Illys Tochter Anna geleitet wird, will den Wert von Mensch und Umwelt sowie das Verantwortungsbewusstsein gegenüber zukünftigen Generationen stärken. Für die Illycaffè S.p.A und die dahinterstehende Familie ist Kaffee eben mehr als nur ein Geschäftsmodell.

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