(Quelle: MERANER MORGEN)
(Quelle: MERANER MORGEN)

Keine Liebensgeschichte ist so romantisch wie die, zwischen den Deutschen und ihrem Wald. Unsere Liebe ist tief verwurzelt in unserer Geschichte. 

Bis weit ins 18. Jahrhundert jedoch war unsere Beziehung von Angst geprägt und noch heute können wir das Wunder des Waldes nicht wirklich begreifen.

Unsere Vorfahren trauten sich kaum, den Wald zu betreten. Das dichte Blätterdach, welches Lichtstrahlen minimierte und gruselige Tiergeräusche, die aus dem Wald ertönen, ließen den Wald als dunklen und mystischen Ort erscheinen. Die Furcht im Wald bösen Hexen mit krummen Nasen zu begegnen hielt sich jahrhundertelang. Viele unserer Märchen spielen im dunklen Wald, denn damals mystifizierten und dämonisierten wir unsere heutige Liebe.

Im späteren 19. Jahrhundert fanden immer mehr Menschen aus der Großstadt einen Erholungsort in den Wäldern und ein Umdenken begann. Wir Deutschen lernten den Wald zu lieben. In der deutschen Epoche der Romantik fand er Einzug in die Malerei und Literatur. Von Casper David Friedrich über Eichendorff und Goethe: Alle waren sie dem deutschen Wald verfallen. Ihn verstehen kann bis heute keiner.

Der Wald steckt noch heute voller Geheimnisse und Dingen, die wir nicht verstehen. Betritt man den Wald, betritt man eine völlig andere Welt. Ohne unser Wissen spielen sich Millionen Prozesse unter Moos und Rinde ab. Hinter jedem Baum versteckt sich mehr, als man glaubt. Jeder von den Bäumen hat einen einzigartigen, unverkennbaren Duft und beim Konzert der Vögel, fangen Bäume an schneller zu wachsen. Sie scheinen fast fürsorglich, wie sie ihre Sprösslinge am Fuße ihrer Wurzeln aufziehen und sie durch ihr Wurzelwerk mit Nährstoffen und Zucker versorgen, bis diese selber in die Baumkronen vorstoßen können.

Wenn wir durch unseren Wald wandern, verbirgt sich unter unseren Füßen ein gigantisches Netzwerk aus Pflanzen- und Baumwurzeln, die ununterbrochen miteinander kommunizieren und Signale austauschen. Werden Bäume von Tieren angefressen, erkennen sie dies und fahren prompt die Produktion von bitteren Gerbstoffen hoch, um das gefräßige Tier abzuschrecken. Gleichzeitig sendet es Signale an die umliegenden Bäume aus, ihm dies gleich zu tun, um sich zu schützen.

Ein Gang durch den Wald ist für uns Menschen Balsam für Seele und Geist. Das viele Grün beruhigt unsere Seele und das Blätterdach der Bäume schüttet Stoffe aus, die uns zusätzlich beruhigen und unsere Herzfrequenz senken. Aber nicht nur das: Ein Gang durch unseren Wald stärkt auch unser Immunsystem! Der Gang zwischen Moos und Bäumen regt die Aktivität der natürlichen Killerzellen im Körper an. Diese erkennen und bekämpfen Zellen, die von einem Virus befallen sind. 

Unsere Sinne haben im Wald eine Pause von der dauernden Reizüberflutung in der Stadt. Es gleicht einer Entschleunigung, lässt negative Gefühle verschwinden und steigert das Wohlbefinden. Es ist so einfach seinem Körper etwas Gutes zu tun. Also rein in den Wald und aufmerksam den Waldduft schnuppern, dem Konzert der Vögel und dem rauschen des Blätterdachs lauschen!

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