Spitzenweine: Die Gegend des Kalterer Sees ist das Herz des Südtiroler Weinbaus
Spitzenweine: Die Gegend des Kalterer Sees ist das Herz des Südtiroler Weinbaus


Kaltern – Wenngleich es mit einer Rebfläche von rund 5.300 Hektar zu den kleineren Anbaugebieten Europas gehört, haben der Weinanbau und die Kunst der Rebenzucht in Südtirol eine lange Geschichte und große Tradition. Im Südtiroler Unterland gefundene bronzene Weingefäße und Traubenkerne werden von den Archäologen auf die Zeit um 1.000 v. Chr. datiert. Später schätzten die Römer die Gegend des Kalterer Sees als vorzügliches Weinbaugebiet. Ab dem Jahr 1698 ist der engagierte Weinbau der Grafen Enzenberg vom Ansitz Manincor historisch verbürgt. Der Kalterer See ist der wärmste Badesee der Alpen und hat sich mit seinen Sport-, Genuss-, Kultur- und Erholungsangeboten zu einem der beliebtesten Ferienziele Südtirols entwickelt. Dazu trägt auch die zauberhafte Lage inmitten der Weinberge im Süden von Kaltern und unweit von Tramin, der Heimat des edlen Gewürztraminers, bei. Rund um die Gegend des Kalterer Sees mit seinen sanften Hügeln und vielen Sonnenstunden schlägt das Herz des Südtiroler Weinanbaus.

Gestützt auf uralte Traditionen und Fertigkeiten gedeihen im Überetsch (Kaltern und Eppan) auf insgesamt 1.682 Hektar Fläche und im Südtiroler Unterland mit Tramin auf 1.872 Hektar unterschiedlichste Rebsorten, die zu exquisiten Weinen verarbeitet werden. In der leicht ansteigenden Hügellandschaft rund um den Kalterer See wächst Rebe an Rebe. Die Milde des Klimas, vorzügliche Bodenbedingungen und eine sorgfältige Landschaftspflege lassen beste Trauben wachsen. Die Reben finden auf einer Meereshöhe zwischen 300 und 700 Metern ideale Wachstumsbedingungen vor. So entstehen reihenweise Qualitätsweine, die traditionell Ortsbezeichnungen im Namen tragen wie beispielsweise Kalterersee Auslese oder Gewürztraminer. Letzterer ist ein aromatisch-würziger Tropfen mit dem Bukett von Nelken und Rosen. Weinkenner bescheinigen ihm einen vollmundigen Körper und intensiven Abgang und empfehlen ihn zu Schalentieren, Currygerichten, Gänseleberpastete und Edelschimmelkäse, aber auch als Aperitif oder Dessertwein. Kalterersee Auslese ist ein leichter, angenehm milder und fruchtiger Vernatschwein von meist rubinroter Farbe. Er schmeckt oft leicht nach Bittermandel und eignet sich zu Vorspeisen und Tirol-typischen Gerichten wie Speck und Wurst sowie zu hellem Fleisch und dezentem Käse.

Der heutige Südtiroler Weinbau nutzt ausschließlich die Hügel- und Hanglagen im Etschtal zwischen Meran und Salurn sowie im Eisacktal zwischen Bozen und Brixen. 78 Prozent der Anbaufläche konzentrieren sich auf die Weinbaugemeinden an der berühmten Südtiroler Weinstraße: Eppan, Kaltern, Tramin, Kurtatsch, Margreid und Salurn. Hinzu kommen Terlan, Bozen und Neumarkt. Das Rebsortiment der Winzer ist von einer beeindruckenden Vielfalt. Auf einer vergleichsweise kleinen Anbaufläche werden über zwanzig Sorten angebaut. Zu den roten Weinsorten dieses herrlichen Landes zählen Südtiroler Vernatsch, Kalterersee Auslese, St. Magdalener, Lagrein, Blauburgunder, Merlot, Cabernet und Rosenmuskateller. Zu den weißen Sorten gehören der Südtiroler Weißburgunder, Chardonnay, Riesling, Gewürztraminer, Ruländer, Sylvaner, Sauvignon und Goldmuskateller. Darüber hinaus schwören Genießer auf Merlot Rosé (Roséwein) und Südtiroler Sekt.

Die weißen Sorten machen rund 60 Prozent der regionalen Anbaufläche aus. Es dominieren Weißburgunder und Chardonnay; die restliche Fläche nehmen die Rebsorten Gewürztraminer, Ruländer, Riesling, Sylvaner, Welschriesling, Sauvignon Blanc und Goldmuskateller in Beschlag. Die roten Sorten beanspruchen die restlichen 40 Prozent der Südtiroler Rebfläche. Hier führt eindeutig die Vernatschrebe, gefolgt von Lagrein, Blauburgunder, Merlot, Cabernet und Rosenmuskateller. Aus der letztgenannten Rebsorte gewinnen die Winzer Südtirols einen der seltensten Rotweine der Welt. Ihre jährliche Weinproduktion liegt bei über 400.000 Hektolitern. Eine Gütegarantie besteht auch darin, dass 80 Prozent der Rebfläche den gesetzliche Schutzbestimmungen entsprechen und im Wappen die Bezeichnung D.O.C. („Denominazione di Origine Controllata“, zu deutsch „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“) tragen dürfen.

Viele Weinkellereien und Privatproduzenten in Kaltern suchen den direkten Kundenkontakt und bieten ihre besten Weine zum Verkosten an.Die Kellerei Kaltern ist eine historische Winzergenossenschaft, deren Geschichte bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückreicht. 2016 fusionierten die Erste+Neue Kellerei und die Kellerei Kaltern zur heutigen Kellerei. Direkt neben ihr liegen die neue Vinothek und das moderne Winecenter, die ideale Orte für Weinverkostungen und Kulturevents sind.

Neben dem genussvollen Ausprobieren der besten Weine Tirols bietet die Weinakademie im Zentrum von Kaltern die Möglichkeit, substantielles Weinwissen zu erwerben. Die Idee für diese außergewöhnliche Akademie entstand aus der Zusammenarbeit des Vereins wein.kaltern und der Südtiroler Sommeliervereinigung. Unter der Dachmarke wein.kaltern bündelt das Weindorf die eigenen Ressourcen und Kommunikationsaktivitäten, um für die Qualität und Kultur der Weinwirtschaft in Kaltern am See zu werben. In der Südtiroler Weinakademie finden naheliegenderweise Vorträge, Seminare und Veranstaltungen rund um das Thema Wein statt, aber auch andere Südtiroler Qualitätsprodukte stehen auf dem Programm. 

In der Goldgasse in Kaltern befindet sich das Weinmuseum als eines der 10 Landesmuseen. Diese Institution für Weinliebhaber ist seit 1986 im einstigen Zehentkeller des landesfürstlichen Gutshofes zu finden. Aus der Taufe gehoben wurde das Museum aber schon 1955, und es war zunächst in den Räumlichkeiten von Castel Ringberg untergebracht. Beleuchtet wird etwa die Arbeit des Saltners, der von der frühen Neuzeit bis 1914 die Trauben behütete. Ausstellungsstücke sind unter anderem die alten bäuerlichen Arbeitsgeräte, die zum Einsatz kamen. Im Außenbereich macht ein Weinlehrpfad mit den Praktiken des Weinbaus und den alten Rebsorten vertraut und bietet einen tollen Panoramablick auf den Kalterer See. Abrunden kann man den Vor-Ort-Besuch mit einer herrlichen Weinbergbegehung. 

Am 2. Oktober 2021 präsentieren die örtlichen Weinproduzenten beim 9. Kalterer Weinkulinarium übrigens eine Auswahl ihrer besten Weine. Dann wird auf dem Markplatz in Kaltern das Ergebnis der jüngsten Lese verkostet, während die letzten Trauben noch an den sonnenbeschienenen Rebstöcken reifen.

Ähnliche Beiträge
x